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Kino in 3D

PiHalbe — 13. October 2009 - 21:23

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Kürzlich habe ich es endlich mal geschafft, mir so einen neuartigen 3D-Film im CinemaxX anzusehen. Nennt mich veraltet, aber ich kannte sowas noch nicht.

UP

Der Film, welchen wir gesehen haben, war UP, zu Deutsch auch Oben. Der Film war solide gemachtes Animationswerk. Solide Gags, eine sehr überschaubare Geschichte und klassische Charaktere. Ein paar Dinge, die mir aber positiv aufgefallen sind:

  • Es ist ein echter Abenteuerfilm, mit Zeppelinen, Doppeldeckern, Höhlen und Mad-Science. Und Fliegerbrillen!
  • Mir gefiel, wie das Leben des Protagonisten im Schnelldurchlauf abgespielt wurde.
  • Dog sagte genau das, was man ihm von seiner Haltung und seiner Mimik her unterstellen würde.
  • Es war 3D.

Auf dem letzten Punkt will ich jetzt noch etwas rumreiten.

3D-Effekte

Ehrlich gesagt war die 3D-Umsetzung einer der Hauptgründe für mich, ins Kino zu gehen. Man erhielt am Eingang eine Brille mit gräulichen Gläsern, die man sich im Kino aufsetzt. Die Brille filtert das Signal (= Bild) von der Leinwand und lässt nur die Teile passieren, die für das jeweilige Auge gedacht sind. Linkes und rechtes Auge erhalten so leicht unterschiedliche Bilder. Das Gehirn führt diese Unterschiede auf die Veränderung des Bildes von linkem zu rechtem Auge durch räumliche Tiefe zurück. Wie im täglichen Leben auch. Entsprechend wird das Bild im Kopf als dreidimensional wahrgenommen.

Die 3D-Effekte haben mir sehr gefallen. Insbesondere folgendes fand ich dabei bemerkenswert:

  • Objekte kamen sehr nah auf einen zu, so dass man zurück wich oder sich ducken wollte. Etwa plötzliche Angreifer oder herumfliegender Debris.
  • Fahrten über Landschaften waren sehr ansehnlich und gaben einem das Gefühl für echte Tiefe. (Da hat mir allerdings noch Verblaugrauung gefehlt.)
  • Dinge konnten weit, weit nach unten fallen. (Zum Beispiel vom Zeppelin herab.)
  • "Kampfszenen" waren sehr plastisch und intensiv.

Einschränkungen

Leider kann auch diese Technologie ein paar Dinge nicht.

  • Es kann kein Bild jenseits der Leinwand projiziert werden. Weit in den Raum reichende Objekte sind also auf die Bildmitte beschränkt.
  • Man kann den Fokus nicht ändern. Das fand ich persönlich sehr befremdlich. Normalerweise würde man auf ein schnell heran nahendes Objekt fokussieren und der Hintergrund würde unscharf werden. Bei dieser Technik muss man immer die Leinwand fokussiert halten. An sich ist das für das Auge entspannter, aber es hat mich mehrmals irritiert.

Dennoch eine sehr schöne Technologie, mit der das Kino wieder seinen Mehrwert erhält gegenüber Heimsystemen. Mir haben die Effekte wirklich etwas zum Film-Erlebnis hinzu gegeben. Mal sehen, ob sich das auch über mehrere Filme hält …

Technik

Am nächsten Tag habe ich mit Kollegen darüber nachgegrübelt, wie das denn genau funktioniert. Wir sind zu folgendem Schluss gekommen:

Wie bei jedem herkömmlichen 3D-Film, müssen zwei unterschiedliche Bilder für linkes und rechtes Auge auf die Leinwand projiziert werden. Diese müssen dann aufgetrennt und dem jeweiligen Auge zugeordnet werden.

Zunächst braucht man einen doppelt so hellen Projektor, da ja jedes Auge nur die Hälfte des Lichts erhält. Das ist noch recht einfach zu machen.

Dann braucht man eine Möglichkeit, die Bilder zu kennzeichnen. Früher hat man das durch Farben gemacht* — etwa mit rot und grün — und dann nur ein schwarz-weiß-Bild mit komischem Farbstich erhalten. Heutzutage kennzeichnet man die Bilder lieber durch Polarisation. Der Projektor wirft also die beiden Bilder mit unterschiedlicher Polarisation direkt über einander. Ohne Brille sieht das Bild dann ziemlich doof aus.

Früher nahm man lineare Polarisation, für die man nur einen sehr einfachen senkrechten rsepektive waagerechten Polarisationsfilter vor dem linken und rechten Auge (oder umgekehrt) brauchte. Das führte aber dazu, dass man den Kopf genau gerade halten musste, um nicht Teile des jeweils anderen Bildes zu sehen, wodurch das Bild dann verschwommen wäre. Das kann sehr anstrengend sein.

Heute wird zirkular polarisiertes Licht verwendet. Dies hat den Vorteil, dass die Neigung des Kopfes egal ist. Man kann sich drehen und wenden, wie man will, es kommt immer ein sauberes Bild raus. Es gibt ja keine Vorzugsrichtung mehr.

Nun folgt unsere Spekulation über den Aufbau der Brille: Die Brille besitzt in jedem Auge auf der Leinwand-Seite ein λ/4-Plättchen. Dadurch wird aus dem zirkular polarisierten Licht linear polarisiertes und zwar mit einer Polarisationsrichtung von +45° bzw. -45° zur optischen Achse des Plättchens, je nachdem ob das Licht linkshändig oder rechtshändig polarisiert ist. Hinter dem λ/4-Plättchen findet sich dann ein linearer Polarisationfilter, der das jeweils unerwünschte Signal heraus filtert. So erhält man aus dem zirkular polarisierten Licht eine saubere Auftrennung zwischen linkem und rechtem Auge.

Die Theorie wird durch Spielereien (Bilder folgen) mit den Brillen gefestigt. Hält man zwei gleiche oder verschiedene Gläser in Blickrichtung hinter einander, so erhält man nur eine kaum merkliche weitere Abdunklung. Hält man hingegen zwei linke Gläser falschrum gegen einander, so erhält man ein fast komplett schwarzes Bild. Das Restlicht ist vermutlich der Wellenlängen-Abhängigkeit des Brechungsindex zu verdanken, wodurch das Plättchen nicht perfekt für normales Tageslicht geeignet ist. Hält man hingegen ein linkes und ein rechtes Glas gegeneinander, so sieht man keinen Unterschied. Durch Drehen der Gläser gegeneinander kann man den Transmissionsgrad frei regeln.

Warum daraus die obige Konstruktion folgt, überlasse ich als Übung für Zuhause.

Fazit

Der 3D-Film hat mir echt gut gefallen und ich werde mir wohl — wenn ich bei einem interessanten Film die Wahl habe — wieder den 3D-Film ansehen. Ob es auf lange Sicht begeistert, weiß ich noch nicht, aber ich finde, es gibt dem Film einiges an Mehrwert und leifert einen guten Grund, ins Kino zu gehen.


* Das geht im Prinzip auch heute noch. Dann würde man statt RGB in RR'GG'BB' projizieren und vor jedes Auge drei Filter setzen (natürlich als eine eiunzige Folie), die die drei Wellenlängen des anderen Auges heraus filtern. Das Auge kann zwischen R und R', G und G' und B und B' nicht unterscheiden, der Filter aber sehr wohl. Und schon hat man aus einem 6-Farben-Bild zwei 3-Farben-Bilder gemacht und hat Full-Color-3D. Das war mein erster Erklärungsversuch für die Wirkungsweise der Technik.

Bilder: CinemaxX

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Gratulation zum ersten Physikpost!

DeathraceKing (not verified) — 14. October 2009 - 13:03

wurde aber auch Zeit ;)

Klingt interessant, muss ich glaub ich auch mal machen.

  • reply
Drak's picture

Muss ich auch mal ausprobieren

Drak — 18. October 2009 - 12:21

Und die physikalische Erklärung + Experiment fand' ich auch schön. V.a. die Begründungen, warum linear polarisiertes Licht unpraktisch ist (ist logisch).

Ich hatte allerdings beim Lesen immer wieder den seltsamen Effekt, dass ich dachte "klar XY", und ungefähr in der nächsten Zeile stand dann genau das ;)

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