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Achtung *Spoiler*!! … oder doch nicht?

PiHalbe — 20. December 2009 - 16:53

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»Darth Vader ist Lukes Vater!«

Jetzt ist es raus. Alle Welt weiß, wer oder was hinter der Maske steckt. Niemand wird StarWars mehr ansehen. Und wenn doch, dann ohne rechte Freude. Schließlich habe ich den finalen Twist verraten. Ein klassischer Spoiler.

Was ist ein Spoiler?

Aber wann ist ein Spoiler eigentlich ein Spoiler? Wörtlich betrachtet ist ein Spoiler eine Vermiesung — oder wie es mir besser gefällt: eine Vergellung. Dem Leser / Zuhörer / Zuaschauer wird durch Informationen ein bestimmtes Werk vergellt und ungenießbar gemacht.

Es ist ohne weiteres gar nicht so klar, dass soetwas geht. Das Werk bleibt ja, wie es ist. Einen Spoiler kann es also nur geben, wenn die Reihenfolge in der bestimmte Informationen gegeben werden, alles entscheidet — und durch den Spoiler diese Reihenfolge umgekehrt wird.

Nehmen wir wieder StarWars. Wenn ich nun sage »Spoiler: Darth Vader ist Lukes Vater!« dann gehe ich davon aus, dass die Spannung im Film dadurch erzeugt wird, dass man vorher nicht weiß, wer Darth Vader ist. Das ist aber nun nicht wahr. Mir war es ehrlich gesagt ziemlich schnuppe, wer Darth Vader ist. Interessanter war, was die Akteure tun. Im Gegenteil: Erst durch die Information »DViLV« erhalten die Handlungen von Darth Vader eine Bedeutung, vorher war er nur irgendein Bösewicht.

Ergo: Der Spoiler nimmt den Prozess der Erkenntnis vorweg. Ob dies gut oder schlecht ist, ist nicht von vornherein festgeschrieben. Im Gegenteil, oft bereichert die Erkenntnis das Erlebnis des Werks sogar.

Halb-Echte Spoiler

Natürlich wird durch den Spoiler auch etwas genommen: der Prozess der Erkenntnis. Das ist bei den meisten Werken nicht der Rede wert. Bei StarWars etwa geht einem was nichts durch die Lappen.

Bei einzelnen, ganz speziellen Werken kann aber der Prozess der Erkenntnis das Fundament des ganzen Werkes sein. Klassische Beispiele sind The Usual Suspects und Nachahmer (Fight Club, …). Hier wird auf eine Art von Fridge Horror gebaut: das gesamte Werk erhält durch die Erkenntnis eine neue Bedeutung. Hier kann das Werk also zweimal genossen werden: einmal vor und einmal nach der Erkenntnis.

Dies so zu realisieren, dass es lohnt, ist allerdings schwer und nur wenige Werke können den Anspruch erheben, wirklich eine neue Bedeutung zu erhalten. Oft erhalten die Dinge durch die Erkenntnis erst überhaupt eine Bedeutung. Dann ist der vermeintliche Spoiler gar keiner sondern kann im Gegenteil den Genuss des Werkes (beim ersten Anlauf) bereichern.

Spoiler in Nicht-Linearen Medien

Das vorangegangene bezieht sich im Wesentlichen auf lineare Medien: Filme, Hörspiele, Bücher, …

Wie sieht es da in nicht-linearen Medien wie Computer- und Rollenspielen aus, wo der Konsument gleichsam zum Dirigent wird. Hier ist der Grad der Immersion (mit Glück) viel stärker und dadurch kann man mitfiebern. Hier trägt man aktiv zur Erkenntnis bei, anstatt sie nur einfach vorgesetzt zu bekommen.

Dies mag je nach Spiel(-runde) unterschiedlich stark ausgeprägt sein, aber Erkenntnis kann einen — meist nicht den einzigen — besonderen Reiz ausmachen. Hat man die Erkenntnis erlangt, so ist man stolz und freut sich über die gewonnene Einsicht. Das kann mit Spoilern zerstört werden. So etwa auch beim Szenario Y2k möglich.

Allerdings ist Erkenntnis nur eine der Motivationen für die Spieler. Auch hier gilt wieder, dass oftmals die Handlungen, die Motivationen usw. spannender sind, als die eigentliche Erkenntnis. Auch Spiele in denen der Ausgang oder die überraschende Wendung schon bekannt sind, haben ihren Reiz durch das Hinfiebern auf den Moment oder die Spannung, auf welche Art und Weise der Ausgang herbei geführt wird.

Subjektivität

Natürlich ist es subjektiv, ob eine bestimmte Erkenntnis einem das Werk vergellt oder nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was ein Spoiler ist und was nicht. Doch die meisten sogenannten Spoiler müssten einem den Genuss gar nicht verderben. Hier tritt viel mehr eine Plazebo-Wirkung ein: ich glaube, dass man mir das Werk madig gemacht hat, also kann ich es nicht genießen.

Mein Fazit

Spoiler gibt es. Aber nur selten. Es gibt sicher einige nicht-lineare Werke und eine wesentlich geringe Anzahl linearer Werke, die vom Erkenntnisgewinn leben. Ein Großteil dessen, was als Spoiler bezeichnet wird, ist allerdings gar kein wirklicher Spielverderber. Hier handelt es sich  bloß um eine Übersensibilität.

Übrigens: »Harry Potter stirbt am Ende von Band acht!«

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Widerspruch!

Belga — 21. December 2009 - 11:30

Zitat Wikipedia zum Thema Spoiler: "Meist ist die Wiedergabe von Handlungselementen eines Plots gemeint, die für den Fortgang oder die Auflösung der jeweiligen Geschichte eine entscheidende Rolle spielen und deren Vorfeldkenntnis dem Leser, Zuschauer oder Hörer die Spannung raubt."

Anders gesagt: Spoiler verderben nicht nur den Erkenntnisgewinn am Ende, sondern auch die Ungewissheit, also die Spannung vorher.

Du schreibst, es gäbe nur eine geringe Anzahl linearer Werke (z.B. Bücher), die vom Erkenntnisgewinn leben. Ich sage: Erkenntnisgewinn spielt in fast jedem linearen Werk eine Rolle. Wie groß diese Rolle ist, mag verschieden sein. Wie wichtig dieser Erkenntnisgewinn für den Genuss des Werkes ist, mag verschieden sein - und hängt auch vom Konsumenten ab. Aber der Erkenntnisgewinn und genauso die Spannung davor tragen zum Genuss des Werkes bei.

Natürlich kann man mir ein Buch nicht völlig vermiesen, indem man mir das Ende verrät - aber spannender und besser ist es, wenn ich mit den Helden mitfiebern kann.

Das als Übersensibilität abzutun, grenzt an Unsensibilität. ;-)

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Nun ja

PiHalbe — 21. December 2009 - 11:57

Ein Spoiler bezieht sich ja meist auf eine einzelne Information. Die finde ich meist nicht so gravierend, wie oben beschrieben.

Wie InfernalTeddy bei der Umfrage sagte: Eine Geschichte lebt nicht nur vom was sondern vor allem vom wie. Das wird ja bei sog. Spoilern meist nicht aufgetan. Und wenn doch, dann ist es eine Nacherzählung und als solche eben keiner der gefürchteten Spoiler. So sehe ich das. Für mich.

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Hmm

Belga — 21. December 2009 - 12:09

Ich weiß schon, was du meinst. :-)

Aber eine Geschichte lebt sowohl vom was als auch vom wie. Und wenn man eines davon wegnimmt, fehlt eben etwas. Das ist sicher nicht immer schlimm ist - aber manchmal.

Und solange sich Menschen daran stören, sollte man Spoiler vermeiden bzw. als solche kennzeichnen. Finde ich.

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Antizipierung

PiHalbe — 21. December 2009 - 12:27

Als globales Verhaltensmuster eignet sich vielleicht folgendes, wie David Morgan-Mar es beschreibt:

I won't be mentioning anything that really happens in Deathly Hallows until well after the release date. But I figure a year or so after release is plenty of time for anyone who actually cares about spoilers to already know them.

Zu finden auf Irregular Webcomic (den man als Physiker / Rollenspieler kennen sollte).

Das nimmt Story-Fans ernst, lässt einem aber dennoch erzählerische Freiheit, wo es geboten ist. Man kann ja nicht mit allem hinterm Zaun halten. Wer beschwert sich schon über StarWars-Parodien?

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Gerade gefunden

PiHalbe — 29. August 2011 - 10:06

Studien zum Thema Spoiler:

http://ucsdnews.ucsd.edu/newsrel/soc/2011_08spoilers.asp

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